David Chang wollte eigentlich nur ein schlichtes Nudelsuppen-Restaurant eröffnen. Der Sohn koreanischer Einwanderer war Mitte Zwanzig, hatte schon in ein paar hochkarätigen Restaurants als Sous-Chef Erfahrung gesammelt und dabei einigen talentierten Chefs über die Schulter sehen dürfen. Nun wollte er sein eigenes Ding auf die Beine stellen. Nichts Schickes, nur eine einfache Nudelsuppenküche, ganz unpretentiös. Mit einem Partner im Schlepptau entstand Momofuku Noodle Bar, ein kleines Restaurant auf der First Avenue, das sich auf den ersten Blick nicht großartig von anderen asiatischen Suppenlädchen im East Village absetzt. Das war irgendwann anno dazumal circa 2004. Seitdem kann sich David Chang vor Auszeichnungen und Kunden gar nicht mehr retten. Die Leute rennen ihm die Bude ein und wollen jeden Abend unbedingt noch einen Sitzplatz in einem seiner mittlerweile drei Restaurants ergattern. Auch die Presse überschlägt sich dermaßen, dass man sich manchmal fragt, was der Mann eigentlich verbrochen hat, um permanent in solch hohen Tönen gelobt zu werden. Ein Hype? Vielleicht. Aber nein, wahrscheinlich gilt hier der trifftigste aller Gründe: Einfach gutes Essen.
Im Momofuku Ssäm Bar, Changs zweitem Restaurant, bekommt man leckere koreanische Küche serviert. Als Vorspeise sind die Steamed Pork Buns sehr zu empfehlen: Zwei köstliche kleine Happen Schweinefleisch, mit Gurkenscheibchen und Soße in einen luftigen Pfannkuchen gepackt. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben. Nur soviel: Die Würze des Fleischs, die Knackigkeit der Gurken und die softe Teigigkeit des Pfannkuchens verbinden sich im Mund zu einer ganz hervorragenden Mischung... Unvergleichlich.
Überhaupt hat David Chang eine Schwäche für Schweinefleisch, muss man fast schon sagen (und eine gewisse Abneigung allem Vegetarischen gegenüber). Wir suchten auf der Speisekarte vergeblich nach einem Salat, den man sich vielleicht gut als Beilage vorstellen könnte... You came to the wrong place, sagte die Bedienung nur... So ne vegetarischen Ferkeleien servieren sie hier erst gar nicht.Aber nun gut, jedem das seine, und wenn ich etwas Vegetarisches essen will, kann ich schlussendlich auch woanders hingehen. Für leckeres Schweinefleisch hingegen, oder auch für den koreanischen Barbeque (Marinated Hanger Steak) ist Momofuku Ssäm einfach super.
Koreanischen Barbeque isst man übrigens so: Man nehme ein Salatblatt. Darauf lege man ein Scheibchen Steak, sowie einige angebratene Zwiebeln, etwas würziges Kimchi und ein paar in Öl eingelegte Frühlingszwiebelchen. Die ganze Chose in den Salat rollen, und langsam per Hand gen Gaumen führen... Augen schließen... Etwas weißen Reis nachschieben. Yumm!
Einzigartig charmant ist an Momofuku Ssäm wahrscheinlich die Kombination von highbrow und lowbrow: Neben feinem Grünen-Veltliner-Wein aus Deutschland findet man hier auf der Speisekarte zum Beispiel den Softdrink Dr. Pepper, aber sonst auch keinen anderen Softdrink. Coca Cola oder Fanta oder selbst Orangensaft sucht man vergeblich. Das ist so ein bisschen wie wenn jemand sowohl das Intellektuellenblatt Atlantic Monthly als auch die Promipostille People Magazine aboniert hat - herzerfrischend.
Eine letzte Empfehlung: Zum Abendessen ist Momofuku Ssäm immer restlos ausgebucht. Aber zum Lunch, selbst am Wochenende, lässt sich eigentlich immer ein Plätzchen finden. Genau das Richtige also, wenn einem der Sinn nach einem herzhaften Mittagessen steht.

Momofuku Ssäm Bar
207 Second Ave (Ecke 13th Street)
Tel +1-212-254-3500
Täglich von 11 bis 2 Uhr
www.momofuku.com
Stadtplan
25. März 2008
Momofuku Ssäm Bar
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
0 Feedback? Hier einfach einen Kommentar schreiben!:
Kommentar veröffentlichen